Seit 2022 bieten wir ein speziell für Menschen in Pflegeberufen entwickeltes Bildungsprogramm an, in dem sich die Teilnehmenden neben der allgemeinen Ortsgeschichte auch verstärkt mit der Rolle der Pflege innerhalb des Nationalsozialismus auseinandersetzen.
Im Kern zielen die Veranstaltungen darauf ab, (angehende) Pflegefachkräfte dazu zu befähigen, das eigene berufliche Handeln vor dem Hintergrund der Geschichte des Nationalsozialismus kritisch zu reflektieren. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach berufsethischer Verantwortung, dem Schutz der Menschenwürde sowie der Bedeutung von Empathie, Fürsorge und professioneller Haltung im Pflegealltag. Die Auseinandersetzung mit historischen Beispielen soll helfen, moralische Grenzen für das eigene Handeln bewusst zu machen und die Bedeutung von Menschenrechten im Gesundheits- und Pflegewesen zu stärken.
Inhaltlich beschäftigen sich die Veranstaltungen insbesondere mit der Rolle von Medizin, Pflege und Gesundheitswesen während des Nationalsozialismus. Thematisiert werden unter anderem die Beteiligung von Pflegepersonal an Ausgrenzung, Zwangssterilisationen und den sogenannten „Euthanasie“-Verbrechen sowie die Frage nach individuellen Handlungsspielräumen und Verantwortung innerhalb eines menschenverachtenden Systems. Darüber hinaus wird nach Kontinuitäten und Brüchen pflegerischer Berufsbilder und ethischer Leitvorstellungen gefragt.
Dabei wird die Pflege nicht nur als Institution betrachtet. Vielmehr stehen konkrete historische Akteur:innen, ihre Motive, Entscheidungen und Handlungsspielräume im Mittelpunkt der Bildungsarbeit. Ziel ist es, historische Zusammenhänge verständlich zu machen und zugleich Bezüge zu aktuellen Herausforderungen im Gesundheits- und Pflegebereich herzustellen.
Neben Rundgängen über das Gelände der Gedenkstätte und der Arbeit mit historischen Quellen und Ausstellungen sind Austausch, Diskussion und gemeinsame Reflexion zentrale Bestandteile der Veranstaltungen.
Das dreitägige Bildungsangebot richtet sich an Auszubildende und Studierende in Pflegeberufen und eignet sich ebenso als Fortbildungsveranstaltung für bereits im Beruf tätige Pflegefachkräfte