Oskar Jakob wurde am 29. August 1930 im rumänischen Șimleu in eine jüdische Familie geboren. Damit er die Hebräischschule besuchen konnte, schickten ihn seine Eltern nach Satu Mare (jiddisch Satmar), wo eine große jüdische Gemeinde lebte. Wenige Monate nach dem deutschen Überfall auf Polen besetzten die ungarischen Verbündeten des Deutschen Reiches die Heimat der Jakobs. Jüdische Männer wurden zur Zwangsarbeit herangezogen, so auch Oskar Jakobs Vater. Oskar, der älteste Sohn, musste nun für das Auskommen der Familie sorgen.
Nachdem im Frühjahr 1944 deutsche Truppen in Ungarn einmarschiert waren, wurden die ungarischen Jüdinnen:Juden nach Auschwitz-Birkenau verschleppt, so auch Oskar Jakob und seine Familie. Seine Mutter und seine jüngeren Geschwister wurden in Auschwitz ermordet. Oskar, sein Vater Hermann und sein Cousin Erwin mussten Zwangsarbeit bei Maurer- und Steinmetzarbeiten leisten. Als sich im Januar 1945 die Rote Armee dem KZ-Komplex Auschwitz näherte, wurden Oskar, Herman und Erwin über das Auschwitzer Außenlager Althammer in das KZ Mittelbau getrieben. Hier musste Oskar gleich nach seiner Ankunft die Leichen der auf dem Transport verstorbenen Häftlinge auf Scheiterhaufen stapeln, später leistete er Zwangsarbeit bei der Montage der Waffenproduktion im Kohnstein. Als auch das KZ Mittelbau im April 1945 geräumt wurde, brachte die SS Oskar in das KZ Bergen-Belsen. Hier erlebte Oskar Jakob am 15. April 1945 gemeinsam mit seinem Vater und seinem Cousin die Befreiung.
Nach der Befreiung zogen die drei nach Frankfurt am Main. Oskar und Erwin eröffneten hier mit einigen anderen Jüdinnen:Juden ein koscheres Lebensmittelgeschäft. 1949 konnten sie in die USA emigrieren, wo sich Oskar zunächst in New York, schließlich in Saint Louis niederlies. Er lernte seine spätere Frau Margo kennen und wurde Vater von vier Kindern und zahlreichen Enkel- und Urenkelkindern. Oskar Jakob gründete einen Sanitärbetrieb bis er sich 1990 zur Ruhe setzte und mit seiner Frau die Welt bereiste – besonders gerne nach Israel. Eine große Passion war das bäuerliche Leben in und mit der Natur. Margo und Oskar kauften eine Farm, auf der sie Rinder und Pferde hielten.
Lange sprach Oskar Jakob nicht über das Erlebte. Doch nachdem er in der Schule seiner Enkeltochter seine Geschichte erzählt hatte, berichtete er immer wieder vor Schüler:innen, Studierenden und anderen Interessierten aus seinem Leben – zuletzt gemeinsam mit der Journalistin Suzanne Rico.
Nun ist Oskar Jakob am 7. September nur eine Woche nach seinem 96. Geburtstag verstorben. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner Familie und seinen Freund:innen.